Falzaregopass

Falzaregopass

Der Falzaregopass (italienisch: Passo di Falzarego, 2.105 m) ist einer der faszinierendsten Übergänge der Dolomiten. Er verbindet das Ampezzaner Becken mit dem ladinischen Hochabtei (Alta Badia) und ist ein Ort, an dem die dramatische Natur der Alpen untrennbar mit der tragischen Geschichte des 20. Jahrhunderts verwoben ist.


1. Historisches Erbe: Der "Krieg im Fels"

Der Falzarego war während des Ersten Weltkriegs Schauplatz eines der grausamsten Kapitel der Alpingeschichte.

  • Frontlinie Kleiner Lagazuoi: Die massiven Felswände des Kleinen Lagazuoi direkt über der Passhöhe waren zwischen 1915 und 1917 Schauplatz eines erbitterten Minenkrieges zwischen den italienischen Alpini und den österreichischen Kaiserschützen.
  • Minensprengungen: Da keine Seite im direkten Kampf vorrücken konnte, gruben beide Parteien Tunnel in den Berg, um die gegnerischen Stellungen von unten in die Luft zu sprengen. Insgesamt gab es am Lagazuoi fünf große Minensprengungen. Die größte Sprengung der Italiener am 20. Juni 1917 veränderte das Aussehen des Berges dauerhaft – eine gigantische Schutthalde am Fuß des Berges zeugt heute noch davon.
  • Forte Tre Sassi: Nur wenige Meter unterhalb des Passes Richtung Valparola steht dieses österreichisch-ungarische Sperrwerk. Es wurde bereits zu Kriegsbeginn von italienischer Artillerie zerstört, dient heute aber als exzellentes Museum zum Gebirgskrieg.

2. Landschaft und Geologie

Landschaftlich markiert der Falzarego den Übergang zwischen schroffen Felswänden und weiten Almwiesen.

  • Die Tofana di Rozes: Ihr Anblick dominiert die Fahrt von Cortina hinauf zum Pass. Sie ist berühmt für ihre rötlich schimmernden Felswände aus Dolomitgestein.
  • Der Hexenstein (Sasso di Stria): Dieser markante Felszahn liegt direkt gegenüber dem Lagazuoi. Er erhielt seinen Namen durch alte Legenden, nach denen Hexen auf seinem Gipfel ihre Tänze abhielten. Im Krieg war er eine uneinnehmbare Festung der Österreicher.
  • Cinque Torri: Vom Pass aus blickt man nach Osten auf die "Fünf Türme". Diese bizarren Felsnadeln wirken wie eine zerfallene Burg und sind ein Wahrzeichen der Ampezzaner Dolomiten.

3. Der Name "Falza Rego"

Der Name des Passes hat eine poetische, fast märchenhafte Etymologie:

  • Er leitet sich vermutlich von "falsu rego" (falscher König) ab.
  • Einer ladinischen Sage nach soll der König des Fanes-Reiches sein Volk verraten haben und dafür am Pass zu Stein erstarrt sein. Man sagt, sein versteinertes Antlitz sei noch heute in den Felsformationen der Umgebung zu erkennen.

4. Ein Tipp

Das Freilichtmuseum: Wenn wir noch ausreichend Zeit für einen Stopp haben, nehmen wir die Seilbahn auf den Lagazuoi. Oben kann man die restaurierten Stollen und Schützengräben besichtigen. Der Kontrast zwischen der atemberaubenden Aussicht auf die Marmolada (den höchsten Gletscher der Dolomiten) und den engen, dunklen Kriegsstollen ist tief beeindruckend.
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